Aus der Geschichte Schwörstadts´

Schon die alten Flurnamen deuten darauf hin, dass Kelten und Römer vor den Alemannen hier sesshaft gewesen sind. Der Name Schwörstadt, zur damaligen Zeit als "swercstat" bezeichnet, gibt uns darüber einen gewissen Aufschluss. Wir können davon ausgehen, dass dieser Name zuerst ein Flurname oder eine Stellenbezeichnung gewesen ist, ehe er sich als Ortsname durchsetzen kann. Er setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Das Wort "stat" bedeutet soviel wie Stätte, Handelsplatz oder auch Ort. Neueste Grabungen und Funde könnten Beleg dafür sein, dass das Wort "stat" auf ein römisches Kastell hinweist. Das "swer" bedeutet soviel wie "am Wasser gelegen". Diese Wortbildung dürfte um das 6. Jahrhundert entstanden sein.

Wenn in den späteren Urkunden oft nur von "swercstat" gesprochen wird, so ist häufig die Herrschaft oder die Pfarrei damit gemeint. Fast unbemerkt entwickeln sich "Obern - und Nidern Swercstat" mit "Niderntoßenbah" und "Toßenbah" selbstständig, wohlgemerkt im Rahmen des Herrschaftsgebietes derer von Wieladingen, vom Stein und von Schönau sowie der Grafen von Rheinfelden.

Leider lässt die urkundenarme Zeit vom 13. bis 15. Jahrhundert keine direkten Schlüsse auf die langsame Entwicklung dieser Orte zu. Wir sehen eher die Entwicklung der benachbarten Herrschaften. Erst an den Lehnsbriefen und aufgestellten Grundbüchern, die früheren Bereine, erkennen wir das stete Wachsen dieser selbstständigen Orte. Wie plötzlich entdecken wir um 1509, dass diese selbstständigen Orte sich als Gemeinden vorstellen. Wenn auch der derzeitige Herrschaftsinhaber noch den Vogt bestimmt, der auf der einen Seite die Interessen der Bürger wahrnehmen soll, so übernehmen die Geschworenen immer mehr die Aufgaben in den Gemeinden.


Niederschwörstadt

Wir können davon ausgehen, dass in Niederschwörstadt die Fischerzunft Fuß fasst, und die Einwohner sich im wesentlichen vom Fischfang und vom Ackerbau ernähren. Bei den Oberschwörstädtern scheint der Feldanbau im Vordergrund zu stehen. In Niederschwörstadt entsteht im Laufe der Zeit am alten Gewann "Im Hof" ein Dorfmittelpunkt. Neben einer Zollstation, die bereits im 13. Jahrhundert zu erkennen ist, lassen sich um 1 402 eine Mühle und um 1472 eine "Herberge" nachweisen, die bis 1929 bestehen. Nach und nach lassen sich dann in diesem Raum Handwerker nieder, die der Ort so dringend benötigt.


Oberschwörstadt

In Oberschwörstadt dagegen entwickelt sich das Dorfzentrum im wesentlichen um den alten Pfarrhof, denn nicht weit davon steht die alte Kirche, die erst im 19. Jahrhundert wegen zu starker Beschädigung aufgegeben wird. Niederdossenbach ist in dieser Zeit als eine Art "Außenstelle" von Oberschwörstadt zu betrachten. Mit zunehmendem Einfluss der Gemeinden als politische Einheit gegen über der Herrschaft ist es möglich, den Vogt oder Ortsvorsteher selbst zu wählen. Die Zustimmung des Herrn von Schwörstadt ist dazu allerdings noch notwendig. Nach über 600 Jahren ist es dann soweit. Mit der badischen Gemeindeordnung von 1831 beginnt für unsere Gemeinde eine neue Zeit. Wer jedoch glaubt, dass die beiden Dörfer mit der Stabhalterei Niederdossenbach sich um engen Kontakt bemühen, sieht sich bald enttäuscht. Fast eifersüchtig wahren sie ihre Rechte. Trotz gemeinschaftlicher Bewirtschaftung in den Fluren, trotz ihrer Nähe, getrennt sind die beiden Gemeinden nur durch den Rebbach, bemühen sie sich weiter, ihre Eigenständigkeit zu wahren. So gibt es zwei Bürgermeisterhäuser, zwei Feuerwehren, zwei Gesangvereine und eigene Bürgerversammlungen. Besonders neidisch sind die Niederschwörstädter auf den "Bürgernutzen", den die Oberschwörstädter einführen.

20. Jahrhundert

In den 20er Jahren dieses Jahrhunderts beginnen Verhandlungen, die zu einer Vereinigung der beiden obengenannten Orte führen sollen. Es zeigt sich, dass selbst der Standort des Rathauses und eine große Anzahl von unbedeutenden Kleinigkeiten die Gemüter erhitzen; erst unter Druck des Innenministeriums vereinigen sich 1929 die beiden Gemeinden "unter Schmerzen". Es dauert recht lange, bis sich die Bürger beider Gemeinden beruhigen. Selbst nach dem zweiten Weltkrieg ist noch ein Konkurrenzkampf zu spüren.

Dossenbach

Im Jahre 1971 wird im Rahmen einer neuen Kreisreform die bis dahin selbstständige Gemeinde Dossenbach nach Schwörstadt hin eingemeindet. Von diesem Zeitpunkt an ist Dossenbach ein Ortsteil Schwörstadts. So langsam sich die alten Gemeinden entwickelt haben, so beschaulich läuft das Arbeitsleben wie auch das gesellschaftliche Leben in diesen Orten ab. Der nachbarliche Verkehr zwischen beiden Gemeinden ist durch verschiedene Bestimmungen eingeschränkt (Religionszugehörigkeit, Heirat, Arbeitsplatzwechsel usw.) Ein Arbeitsplatzwechsel oder gar ein Auswandern ist ohne Einwilligung der Herrschaft nicht möglich. Außerdem erlauben die wenigen bestehenden Fortbewegungsmöglichkeiten keine zu großen Entfernungen zu überbrücken. Der einzelne Einwohner ist damit mehr oder weniger an den Ort gebunden. Das Boot auf dem Rhein dient im wesentlichen nur dem Fischfang.

Ländliches Leben

Der Fischer, der Bauer, der Tagelöhner haben für ihre landwirtschaftliche Tätigkeit nur das Pferd oder den Ochsen zur Verfügung. Von der Mitte des 18. Jahrhunderts an beginnt die Stallhaltung und es werden einige wenige Pferde gehalten. Aus diesem Grunde sehen wir die Wagen mit den wirtschaftlichen Erzeugnissen oder Geräten von Ochsen oder auch manchmal von Kühen gezogen. Ein langer Anfahrtsweg zu einem entfernt gelegenen Feld kostet Zeit. Oft kann über eine halbe Stunde vergehen. Ein Bauer, der seine Erzeugnisse zum Markt nach Säckingen oder Rheinfelden bringen will, benötigt für seine Hin - und Rückfahrt mindestens vier Stunden. Dieses ist eine Zeit, die ihm im Sommer bei der Feldarbeit fehlen wird. So ist es verständlich, dass die langen Anfahrtszeiten, verbunden mit langsamem Arbeitstempo, dem Bauer einen Arbeitstag von oft 14 Stunden oder gar mehr bringen. Alle müssen sie lernen mit der Zeit umzugehen. Mit der fortschreitenden Industrialisierung kommt Bewegung in das Arbeitsverhalten. Die Schwörstädter lernen die Eisenbahn kennen und sie erhalten 1871 ihren Bahnhof. Dadurch verkürzt sich die Fahrt nach Säckingen von etwa zwei Stunden damals auf nur etwa neun Minuten heute. Nach Rheinfelden ist die "Reisezeit" um zwei Minuten kürzer. Das Fahrrad gewinnt ebenfalls für die Fahrt zur Arbeitsstätte an Bedeutung.

Nach dem ersten Weltkrieg ändert sich das Bild noch nicht so schnell. Einige Schwörstädter kaufen sich ein Motorrad oder später ein Auto. Erst nach 1945 ersetzt der heutige Bus zu einem großen Teil den damals noch lebendigeren Zugverkehr. Der Bus von Säckingen zum Oberdorf benötigt 17 Minuten, der Bus vom Rheinfelder Bahnhof zum Oberdorf 30 Minuten. Inzwischen unterstützen moderne Traktoren und spezifische Landmaschinen den Landwirt bei seiner Arbeit. Die Anfahrtszeit zum Acker verkürzt sich wesentlich und die modernen Maschinen lassen die Arbeit schneller vorangehen. Zudem verdienen die Einwohner heute ihren Unterhalt nicht mehr in der Landwirtschaft, sondern in Industrie und Handel.

So hat sich mit der Industrialisierung Schwörstadt aus einer Landgemeinde zu einer Wohngemeinde entwickelt.

 

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